Frische Socken

Es wurde mal wieder Zeit für frische Ledersocken. Früher habe ich mehrfach sog. Khouff (Gebetssocken für Moslems) gekauft. Sie werden aus Ziegenleder angefertigt. Bei der großen Versteigerungsplattform findet man einige Anbieter in Europa und im nahen Osten. Die Qualität war recht gut bist minderwertig (je nach Anbieter), aber der Verschleiß bei täglichem Gebrauch hoch. Bei einer ‚Islam-Boutique‘ war die Qualität und der Preis gut, aber die haben aus mir unerfindlichen Gründen seit ca. drei Jahren meine Größe nicht am Lager.

Also habe ich schon vor einiger Zeit eine ‚alte Socke‘ zerlegt und ein Schnittmuster erstellt. Dabei habe ich zwei Nachteile der kommerziellen Angebote verbessert. Dort gehen die Reißverschlüsse vom Bündchen bis zur Sohle, bei mir hören sie etwas weiter oben auf, damit ist das harte Ende des RV nicht unter der Fußsohle, sondern neben dem Fuß, wo es nicht stört. Zweitens nähe ich eine Lage Wollfilz ein, das ist für den Fuß angenehmer als eine Stofflage.

Auch ich verwende Ziegenleder, es bleibt in Form und ist sehr verschleißfest bei geringer Stärke. Aus einer großen Haut habe ich schon drei Paar gemacht und es ist noch für zwei Material da.

Nun zur Vorgehensweise: Zwei Paar schwarze Socken aus Nappa-Leder

Es gibt also drei Teile: Sohle, Innenseite und Außenseite. Meine Schnittmuster sind ohne Nahtzugabe, die muss ich beim Ausschneiden hinzurechnen. Die Sohle besteht aus einer Lage Leder und aus einer Lage Filz; den Filz schneide ich zuerst aus. Ich benutze einen feinen weißen Lackstift, den kann man recht gut erkennen, nur auf den Fotos nicht. Der Filz hat zwei gleiche Seiten, deswegen habe ich nur rechte Füße angezeichnet.

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Schwarzer Wollfilz 3mm mit eingezeichneten Schnittmustern

Dann habe ich das Leder angezeichnet, hier zweimal links, zweimal rechts.

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Schwarzes Ziegenleder 0,7 mm mit angezeichneten Schnitten für zwei Paar Socken

Alles mit Nahtzugaben ausschneiden, hier zu sehen.

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Ausgeschnittenes Leder mit Nahtzugaben für zwei Paar Socken

Die Position des Reißverschlusses war mit kleinen ausgeschnittenen Rauten im Schnittmuster gekennzeichnet und übertragen worden. Neben die Mittellinie habe ich eine Hilfslinie mit der halben RV-Breite gezeichnet. Ich verwende Endlos-Reißverschluss, jetzt habe ich die Schlitten aufgebraucht. Das Einführen der Schlitten ist etwas mühsam, dafür ist die Länge individuell.

Also erst den Schlitten einführen, dann den RV auf das Leder entlang der Linie festnähen; zwischendurch muss man immer den Schlitten verschieben, damit er beim Nähen nicht stört. Erst dann wird das Leder an der Mittellinie aufgeschnitten.

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Innenseite mit aufgenähtem Endlos-Reißverschluss, noch nicht eingeschnitten

Dann werden die Naht an der Ferse und auf dem Spann genäht. Diesmal habe ich nichts zur Verstärkung untergelegt, ich hoffe, die Naht geht nicht auf. Als nächstes folgt ein Saum als oberer Abschluss; dabei lege ich das Ende des RV ein als Begrenzung.

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Reißverschluss aufgetrennt, Seitenteile miteinander vernäht (L = links), Saum genäht

Dann werden Leder- und Filz-Sohle in einem Durchgang zusammen angenäht. Das ist die diffizilste Arbeit, denn diese Naht läuft Gefahr, wegen der Rundungen zu verlaufen und dann ist zum Abschluss die Länge von Sohle und ‚Gamasche‘ ungleich und eine Falte will sich bilden. Die Sohle hat aus dem Schnittmuster eine Markierung, welche mit der Spann-Naht übereinstimmen muss.

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Sohle und Filz mit den Seitenteilen verbunden

Hier ist der erste Socken fertig, ein linker. Ich habe gleich noch den anderen linken genäht, damit ich nicht vielleicht doch aus Faulheit zwischendurch aufhöre. Nach vier Stunden sind alle fertig.

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Nummer eins ist fertig !

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Alle vier frischen Socken warten auf meine Füße !

Ein sehr gutes Tragegefühl !

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Die Mühe hat sich gelohnt, ausruhen !

 

Kurzmitteilung

Hose verlängern

Ein Freund hat mich gefragt, ob ich ihm eine Lederhose verlängern könnte.
Falls es jemanden anders noch interessiert, hier meine Gedanken, einfach aus dem Email-Wechsel entnommen:
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Einfach drannähen geht, sieht aber Sch***e aus.
Wenn etwas ‚drin ist‘, also ein Umschlag nach innen, kann man ihn rauslassen, aber die ehemalige Kante bleibt sichtbar, ebenso die Nähte.
Man kann aber einen ‚falschen Umschlag‘ darauf setzen. Fünf Zentimeter sind gewagt, aber es geht. Das wird eine auffällige Verzierung, Da Du ja dasselbe Leder nicht zur Verfügung hast. Ich würde Wildleder auf Nappa und umgekehrt setzen.
ABER: Wenn das die einzige solche Verzierung ist, sieht das sehr mäßig aus. Ich denke da an (zusätzlich) Taschen, Biesen und Eingriff-Deckleiste. Nur das macht viel Arbeit. Das einfachste sind noch: die aufgesetzten Popo-Taschen in Kontrastfarbe auszutauschen und den Einschubtaschen einen ähnlichen Umschlag zu verpassen.
Um was handelt es sich denn? Wie ist der Schnitt? An z. B. eine Kombi mit Stiefelbeinen eine Verlängerung dranpfriemeln, das kannst Du vergessen ! Eine Hose im Anzugstil, da lässt sich etwas schickes machen.
Wenn ich im Urlaub bin, werde ich das Thema vielleicht auf meiner HP ausarbeiten, eine schöne Idee, denn ich habe auch noch eine zu kurze Hose (ausgerechnet so eine schöne Tschul-Zimmermannshose)
So, jetzt muss ich Frühstück machen.
Gruß —

Orangenes Polo-Hemd Teil 2

Weiter geht’s: Der Kragen wurde von mir nach einer neuen Überlegung hergestellt. Beim langärmeligen Polo-Hemd habe ich in den Kragen ein festeres Leder eingelegt um es etwas steifer zu machen. Dadurch war es sehr schwierig zu nähen: ich musste sehr aufpassen, dass die Naht auf jeden Fallauch durch die mittlere Füll-Schicht gehen muss, weil es sonst wirklich hässlich aussieht. Dadurch musste ich immer wieder anhalten und die Naht wird ungleichmäßig. So habe ich die beiden Lagen (innen und außen) vollflächig in dem Teil des Kragens verklebt, der steifer werden soll. Dazu habe ich – wie jetzt immer – Flüssig-Latex verwendet. Bisher hat es gut geklappt, ich kann das Waschen abwarten…

Kragen bearbeiten

Kragen bearbeiten

Bevor ich den Kragen jedoch einnähen konnte, musste ich die Knopfleiste anfertigen. Das ist nicht so einfach, genaugenommen das blödeste am Polo-Hemd. Der Schnitt muss asymmetrisch gemacht werden, die untenliegende Leiste (rechte Brustseite beim Mann) geht durch, die obenliegende Seite bekommt die Deckleiste.

Noch eine Festlegung: Die Breite von Kragen, Knopfleiste, Ärmelaufschlag und Taschensteg habe ich aufeinander abgestimmt: jeweils vier Zentimeter. Bei einer Deckleiste von 4 cm muss der Schnitt um 2 cm versetzt werden. Den zugehörigen Umschlag habe ich rechts auf rechts ganz knapp an der Kante gesteppt, umgeschlagen und festgeklebt. Mit einer sichtbaren Steppnaht ist eine (fast) schöne Kante an der richtigen Stelle entstanden.

Ein passendes Stück Leder für den Umschlag nach innen

Ein passendes Stück Leder für den Umschlag nach innen

Zum Steppen knapp an der Kante vorbereitet

Zum Steppen knapp an der Kante vorbereitet

Der Umschlag wird verklebt, damit er nicht beim Steppen verrutscht

Der Umschlag wird verklebt, damit er nicht beim Steppen verrutscht

Die äußere Knopfleiste ist schon anspruchsvoller: Sie wird auf der kürzeren Seite des Einschnittes angebracht durch Steppen, umlegen, wieder Steppen, bei der richtigen Breite umkleben, Steppen. Dabei muss aber die untere Kante auch noch umgeklebt und befestigt werden, damit ein schöner Steg entsteht. Leider war das Ergebnis nicht perfekt, deshalb erkläre ich dies beim nächsten Polo-Hemd.

Der Kragen wurde in zwei Schritten befestigt: zunächst ausgerichtet (vorher angebrachte Markierungen, die vom Schnittmuster übertragen wurden, helfen sehr) und die äußere Kragenseite rechts auf rechts mit dem Rücken und Frontteil gesteppt, dann umgelegt und durch die innere Kragenseite gesteppt. Leider ist das aufgrund von 5 Lagen sehr empfindlich gegen verrutschen und das Ergebnis wurde nicht optimal. Besser wäre: nach dem ersten Steppen umkleben und nochmals steppen, dann die innere Kragenseite mit Kleber heften und dann alles zusammen steppen. So ähnlich habe ich’s dann beim zweiten Polo-Hemd gemacht.

Die Ärmelabschlüsse sollten Umschläge erhalten. Einfach umschlagen geht nicht, dann liegt die Fleischseite rechts. Das wollte ich nicht. Also habe ich eine Markierung einen Zentimeter tiefer als die Oberkante des Umschlags angebracht und dort rechts auf rechts abgesteppt. Dann einen Zentimeter weiter den Umschlag wieder zurückgeschlagen und geklebt, eine Steppnaht gesetzt und bei der richtigen Breite nun den Abschluss umgeschlagen und gesteppt.

Erste Steppnaht und dann kleben, die Bruchkanten wurden schön mit dem Schärfwerkzeug nachgezogen

Erste Steppnaht und dann kleben, die Bruchkanten wurden schön mit dem Schärfwerkzeug nachgezogen

Polyesterfäden lassen sich leicht versäubern: ein Knoten setzen und dann mit dem Feuerzeug abbrennen

Polyesterfäden lassen sich leicht versäubern: ein Knoten setzen und dann mit dem Feuerzeug abbrennen

Dann habe ich noch sehr schöne Druckknöpfe (mit Jesus-Fisch) in die Knopfleiste eingesetzt. Das Hemd ist soweit fertig. Nach der Erfahrung mit dem zweiten Hemd kommt hier auch noch eine Tasche drauf.

So ein gelungenes Polo-Hemd

So ein gelungenes Polo-Hemd

Sind die Druckknöpfe nicht wunderschön ?

Sind die Druckknöpfe nicht wunderschön ?

Der Kragen ist doch ganz ordentlich geworden

Der Kragen ist doch ganz ordentlich geworden

Orangenes Polo-Hemd Teil 1

Entscheidung: Ich hatte also fünf wunderschöne Lamm-Nappa-Lederhäute ersteigert (Ich bin halt ein unverbesserlicher Schnäppchenjäger) und wollte natürlich etwas schönes daraus machen. Da der Sommer naht und die kurzärmeligen Stücke etwas in der Minderzahl sind, wären neue Poloshirts schön. Den Schnitt, den ich schon für das langärmelige Polo-Hemd aus dem Schnitt für das T-Shirt herausgearbeitet habe, wollte ich also verwenden. Also habe ich den Schnitt für Front und Rücken zum Ausmessen auf die Häute gelegt.

Vorhandene Schnitte übertragen

Vorhandene Schnitte übertragen

Es stellte sich heraus: auf allen Häuten passt der Schnitt. Ich konnte daraus zwei neue Polo-Hemden herstellen. Für die Ärmel, Kragen und Knopfleiste hätte es auch gereicht, aber zwei gleiche Hemden waren mir zu langweilig. Das zweite sollte mit kontrastierenden Elementen ausgestattet werden.

Umsetzung: Für die Fronten habe ich jeweils die Häute mit den wenigsten Fehlern und der schönsten (gleichmäßigsten) Oberfläche ausgewählt. Ich habe die Schnitte aufgelegt,mit Faserschreiber abgezeichnet und mit der Nahtzugabe ausgeschnitten (das mache ich nach Augenmaß). Den Schnitt für die Knopfleiste habe ich nicht gleich gemacht, so bleiben alle Seitenverhältnisse symmetrisch.

Zuschnitt mit Nahtzugabe nach Auge

Zuschnitt mit Nahtzugabe nach Auge

Zum Nähen habe ich nun doch Polyestergarn genommen, weil mir zugesichert wurde, dass er resistent gegen Lederfett sei. Einen genau passenden Orange-Ton habe ich nicht besorgt, weil ich mir fest vorgenommen habe, die Nähte so schön auszuführen (perfekt wird es nicht, Fehler finde ich immer), dass man sie erkennen und ‚bewundern‘ soll. Ein Rehbraun passt gut dazu. Das Garn lief so gut in der Pfaff-Maschine, es war eine Freude. Einmal ist der Unterfaden ausgegangen, sonst gab es keine schlimmen Fehler.

Die Nähte zwischen Mittelteil (Front und Rücken) und den Ärmeln habe ich als Einseitige sichtbare Naht ausgeführt. Die Nähte, die Front- und Rückenteil verbinden, habe ich als Beidseitige sichtbare Naht ausgeführt.

Beim Schneidern

Beim Schneidern

Neues ‚Theme‘

Ich habe ein neues Design ausgewählt. Das heißt bei WordPress Theme und ich habe mir Fictive ausgesucht. Hauptsächlich, weil mir bei Twenty Twelve nicht gefiel, dass der statische Teil rechts und die Beiträge links angeordnet waren. Und weil’s geht. Und so schön einfach. Das Menü musste ich wieder neu zusammenstellen, das war’s schon.

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Nadel gesucht !

Also, die „neue“ Schuster-Nähmaschine ist da.Wie schon geschrieben, leider ohne Nadel. Nun ist wenig bekannt über die Maschine.

Schriftzug Köhler

Schriftzug Köhler

  • Hersteller vermutlich Julius Köhler in Limbach
  • Alter geschätzt 80..100 Jahre
  • Modell – keine Angabe
  • Seriennummer 1071
  • Arbeitsweise wie Patent Elastic (wer hat es erfunden?)
Seriennummer 1071 mit Schlagziffern

Seriennummer 1071 mit Schlagziffern

Ich habe den Maschinenkopf vermessen. Daraus lassen sich hoffentlich die notwendigen Nadelmaße ermitteln. Im Moment des Erfassens des Oberfadens durch den Greifer ist die Nadel ein wenig angehoben, dabei müsste das Nadelöhr noch etwas unter der Greiferspitze stehen. Der Freiarm ist unten nicht geschlossen, die Nadel kann theoretisch an der tiefsten Stelle unten aus dem Arm heraus gucken. Die Nadelstange hat nach meiner Untersuchung keine Markierung, die zur Einstellung der Nadelhöhe dient. Also gehe ich davon aus, dass die Nadel bis zum oberen Anschlag in die Nadelstange eingeführt werden muss.

Maschinenkopf mit Maßen

Maschinenkopf mit Maßen

Am schwierigsten ist die Bohrung zu bestimmen, da ich keinen Innenkaliber-Satz habe. Der Flachkolben einer Haushalts-Nähmaschinen-Nadel passt gerade so hinein, lässt sich aber nicht drehen, ich vermute Grate innen am Gewinde für die Stiftschraube.

Wenn ich diese Maschine mit anderen vergleiche, kommt sie einer Singer 29K4 am Nächsten, mit dem Unterschied, dass diese hier keine seitliche Verstellmöglichkeit des Nadelhalters hat und keine Skalen für Stichweite oder Hub des Transporteurfußes. Die Nadeln 29-3 und 29-4 von Singer passen aber vermutlich nicht, da hier der Abstand Oberkante Öhr zum oberen Ende mit 38,9 mm etwas zu kurz ist.

Welches Nadelsystem passt also zu meiner Maschine? Welche Nadel, die auch lieferbar ist, kommt dieser am nächsten? Zunächst benötige ich Nadeln Stärke 120LR oder 140LR bzw. LL für 30er Garn für mittelkräftige Ledernäharbeiten. Für Tipps bin ich sehr dankbar.